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Artikel

Müde vom Diskurs

Über die Sehnsucht nach rationalem Austausch in einer irrationalen Welt # Es gibt eine bestimmte Art von Diskussion, die mich ermüdet. Nicht, weil mir die Argumente fehlen, sondern weil sie offenbar nichts bewirken. Ich spreche nicht von unterschiedlichen Meinungen, sondern von Gesprächen, in denen Rationalität und faire Argumentation kaum mehr eine Rolle spielen. Es sind Gespräche, die sich mehr um recht haben drehen, als um Erkenntnisgewinn, in denen Sprache zur Waffe, nicht zum Werkzeug wird.

Informationssicherheit ist kein IT-Thema – sondern Unternehmensverantwortung

Ein Anruf nach dem GAU # Ein Unternehmen ruft an. Ransomware. Produktion steht. Die erste Frage: „Wie konnte das passieren?“ Die bessere wäre gewesen: „Warum haben wir vorher nichts getan?“ Viele Unternehmen behandeln Informationssicherheit noch immer wie eine Pflichtübung – etwas, das man tut, weil es eben gefordert wird. Dass es dazu oft regulatorischen Druck braucht, ist bedauerlich – aber angesichts der menschlichen Schwächen im Umgang mit Statistik und Risiko auch kaum verwunderlich.

Erbschaft, Ungleichheit und der Preis der Geburt

Einleitung: Hägglunds Zeitkritik und ihre Grenzen # Martin Hägglunds This Life hat mich mit seiner grundlegenden ethischen Kritik am Kapitalismus zum Nachdenken gebracht. Seine zentrale These: Unsere Lebenszeit ist unser kostbarstes Gut, und doch wird sie im kapitalistischen System in Dienst genommen, fremdbestimmt, ausgebeutet. Wir arbeiten effizienter, produktiver – und doch erhalten wir diese Zeit nicht zurück. Sie fließt in Profite, nicht in Freiheit.

Das Ende der Herkunft – Warum Produkte heute keine Seele mehr haben

Ein Essay über das stille Verschwinden kulturellen Designs und das “Race to the Bottom” Einleitung: Als Produkte noch Geschichten erzählten # Es gab eine Zeit, da konnte man einem Produkt ansehen, woher es kam. Italienische Autos waren schön, exzentrisch, oft unzuverlässig, aber voller Charme. Japanische Kameras waren reduziert, pragmatisch, präzise. Deutsche Küchengeräte waren schwer, robust und funktional. Produkte waren Botschafter von Herkunft und Haltung. Sie trugen eine Handschrift, eine kulturelle Semantik, manchmal sogar eine Ethik. Ein Toaster konnte “deutsch” sein. Ein Radio konnte Italienisch wirken. Eine Kamera aus Japan hatte nicht nur Funktionen, sondern auch ein implizites Werteversprechen.

Freiheit ohne Wahl

Warum moralisches Urteil ohne freien Willen möglich (und nötig) ist Einleitung: Schuld, Verurteilung und die Illusion von Wahlfreiheit # In einer Welt, in der politische Empörung, moralische Empfindlichkeiten und gegenseitige Schuldzuweisungen den öffentlichen Diskurs dominieren, wirkt die Vorstellung radikal, dass niemand wirklich “schuld” ist. Kein Politiker, kein Straftäter, kein Mensch – auch kein Donald Trump. Ich vertrete einen harten Determinismus: die Idee, dass jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Handlung kausal durch Vorbedingungen erzeugt ist. Es gibt keinen freien Willen im metaphysischen Sinn. Und gerade deshalb ist es möglich, Menschen mit tiefer Empathie zu begegnen – ohne sie zu verurteilen. Aber das heißt nicht, dass wir wehrlos sind.

Wenn Verstehen nicht reicht: Stoischer Frust in einer irrationalen Welt

Einleitung # Es gibt Tage, an denen ich mich frage, ob nicht ich das Problem bin. Ob es narzisstisch ist, sich immer wieder zu fragen, warum so viele Dinge um mich herum so offensichtlich falsch laufen. Aber die Antwort lautet: Nein. Es ist nicht Arroganz, sondern ein schmerzhafter Versuch, in einer Welt zu bestehen, die sich selbst nicht versteht. Ich verstehe die Ursachen, die Mechanismen, die psychologischen und gesellschaftlichen Triebkräfte. Und trotzdem bin ich frustriert. Vielleicht sogar deswegen.

Mein CISSP Erfahrungsbericht

Vorbereitung # Ich begann im Januar mit der Vorbereitung und legte die Prüfung Mitte März ab. Insgesamt also etwa zwei Monate, mit einigen Unterbrechungen. Unter der Woche investierte ich etwa eine Stunde täglich, an Wochenenden zwei Stunden. In manchen Wochen tat ich gar nichts – ich ließ mich davon aber nicht stressen. Mein technischer Hintergrund ermöglichte mir eine Wiederholung bekannter Inhalte statt eines Einstiegs bei null. Dennoch war das Examen kein Selbstläufer. Entscheidend war, dass ich meine Schwächen frühzeitig identifizierte und gezielt daran arbeitete. Ich setzte auf Kontinuität statt Perfektionismus – auch mal ein Kapitel auszulassen war okay.

Führung neu denken: Psychologische Barrieren, Motivation und der Wert kleiner Anreize

Einleitung # Immer wieder frage ich mich, warum einfache, durchdachte und kostengünstige Ideen zur Verbesserung von Unternehmenskultur, Sicherheit oder Produktivität auf taube Ohren stoßen. Nicht nur in Konzernen mit schwerfälliger Bürokratie, sondern auch in kleinen Unternehmen mit flachen Hierarchien und scheinbar kurzen Entscheidungswegen. Bin ich naiv, weil ich glaube, dass Menschen für eine Tasse Kaffee einen LinkedIn-Artikel schreiben würden? Oder weil ich an eine positive Verstärkungskultur glaube, statt Mitarbeitende mit Pflichtschulungen oder stiller Frustration zu disziplinieren?

Über Dinge, die meinen, was sie sind

·7 min
Über ehrliche Materialien, Imitate und die stille Sehnsucht nach Echtheit # Die Ästhetik von Severance und was sie in mir auslöst # Die Serie Severance auf Apple TV+ erzählt nicht nur eine dystopische Geschichte über das geteilte Selbst – sie inszeniert eine Welt, die mich ästhetisch tief berührt. Klare Linien, abgestimmte Grüntöne, Holzvertäfelungen, einfache Texturen: All das schafft eine Atmosphäre von Ordnung und Ruhe, aber auch Entfremdung. Es ist eine künstliche Welt – und gerade deshalb so faszinierend.

Kommerzialisierung der Cyberkriminalität

·11 min
Dieser Artikel wurde im Rahmen meiner Arbeit für tanum consult GmbH geschrieben. Einleitung # Bald ist es wieder so weit: Am 12.11.2024 veröffentlicht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die diesjährige Version des Lageberichts der IT-Sicherheit in Deutschland (BSI, 2023). Zusammen mit dem Bundeslagebild Cybercrime 2023 (Bundeskriminalamt, 2024b) entsteht ein klares Bild der zunehmenden Kommerzialisierung der Cyberkriminalität. Diese Entwicklung wird überwiegend von finanziellen Motiven getrieben – mehr als 95 % aller Angriffe verfolgen das Ziel, monetären Gewinn zu erzielen.